PASSKREUZE


Installation Agnes Kirche Köln


Plakat PASSKREUZE, Agneskirche 1994







Audio: Konzert Mitschnitt | Margarete Hürholz spielt Werke von Messiaen, Alain und Bach






 
  • Passkreuze im Kirchenraum von Sankt Agnes schließt sich als jüngste Installation von Rolf Kirsch und Bernhard Peters an die bislang unternommenen Versuchsreihen an.
    "Es handelt sich um die Installation eines Kastens, der im Turmraum von der Decke abgehängt wird, um in einem Abstand von 35 cm zum Boden ein Passkreuz auf den Kirchenboden zu projizieren. Auf dem Boden befindet sich eine Markierung, ebenfalls in Form eines Passkreuzes. Durch seine Konstruktion, wie auch aufgrund physikalischer Grundbedingungen wird der Kasten in eine Pendelschwingung geraten, die dazu führt, daß die durchaus angestrebte Kongruenz als Idealposition von Projektion und Bodenmarkierung nicht zustande kommen wird, stattdessen eine permanente Bewegung um diese Ideal." Bezieht sich die enorme Vertikalität der Installation deutlich auf die Architektur der neugotischen Kirche, so ist auch die im Titel angekündigte Verwendung der Kreuzform als Lichtprojektion in diesem, jedoch weitgreifender aufzufassenden Kontext zu betrachten. Passkreuz bezeichnet eine u.a. beim Mehrfarbendruck verwendete Form, mit der die präzise Übereinstimmung der übereinander zu druckenden Formen überprüft werden kann: Es handelt sich um einen von vier Strichen überkreuzten Kreis, dessen Mittelpunkt frei bleibt.



expimat | Ausstellungen 1988-2018
Installation Agnes Kirche Köln
 
  • Die Übereinstimmung der Passkreuze bildet eine ideale Konstellation, die in der Wirklichkeit jedoch kaum erreicht werden kann und die dennoch Ziel bleibt. Über die konkrete Wortbedeutung hinausgehend, nutzt die Installation die gewaltige Höhe des Turmraumes von Sankt Agnes, um auf die Dimension eines Ideals und seiner unerreichbaren Verankerung im Vorstellbaren hinzuweisen. Gleichzeitig ist die Länge der Abhängung, der Abstand vom Vorstellbaren zur Wirklichkeit, verantwortlich für die sich zwangsläufig ergebenden Abweichungen. Stehen Vorstellung und Wirklichkeit in Beziehung zueinander, bleibt eine völlige Kongruenz ausgeschlossen, solange Bewegung und damit Leben im Spiel ist. Einer Deckungsgleichheit ginge Stillstand, Bewegungslosigkeit, Tod voraus. Das Streben nach Idealität, als dem Menschen mögliche Auseinandersetzung des Physischen mit dem Meta-physischen, setzt folglich die Akzeptanz von Abweichungen voraus. Das vollständig ideale Bild ergibt sich als eine auf Toleranz gegründete Vorstellung im Schnittpunkt aller denkbaren Abweichungen. Allein Toleranz befähigt zu einer Erkenntnis, die Idealität und Wirklichkeit miteinander vereinigt und damit zu Grundlage verantwortlichen Handelns wird.



Edition PASSKREUZE, zweifarbiger Linoldruck, Auflage 20+3, 25x25 cm, Agneskirche 1994

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